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Antwort auf offenen Brief zur „Killerspiele“-Debatte

Eventuell erinnert Ihr euch noch an meinen offenen Brief zur aktuellen „Killerspiele“-Debatte, den ich an unseren amtierenden Bundesinnenminister, Herrn Thomas de Maizière, gerichtet habe. Neben der Veröffentlichung in meinem Blog und der Verbreitung über die sozialen Medien (Facebook, Twitter, Google+) habe ich den verfassten Text auch an die offizielle Bundestags-E-Mail-Adresse des Bundesinnenministers geschickt.

Womit ich nun gar nicht gerechnet habe, war eine nicht automatisierte Antwort auf meine E-Mail. Die stammt zwar nicht direkt vom Bundesinnenminister persönlich, aber von einem seiner Mitarbeiter. Den ganzen Brief habe ich hier unzensiert, ungekürzt und unbearbeitet angehängt.

Ihre E-Mail vom 25.07.2016: „Offener Brief zur ‚Killerspiele‘-Debatte“

Sehr geehrter Herr Schmidtchen,

haben Sie vielen Dank für Ihre E-Mail vom 25. Juli 2016 an Herrn Bundesminister Dr. Thomas de Maizière, MdB. Er hat sich über Ihre offenen und nachdenklichen Worte zur Wirkung von sog. Ego-Shooter-Computerspielen aufrichtig gefreut, leisten Sie damit doch einen Beitrag zu eben jener gesellschaftlichen Diskussion, die er mit seinen Beiträgen nach dem Amoklauf in München anstoßen wollte. Für die Schilderung Ihrer persönlichen Erfahrungen und Ihr Angebot zum Dialog, wie Sie es unterbreitet haben, ist er dabei ganz besonders dankbar. Leider ist es ihm aufgrund seiner hohen Beanspruchung nicht möglich, Ihnen persönlich zu antworten. Dafür haben Sie gewiss Verständnis. Er hat mich gebeten dies zu übernehmen, was ich hiermit gern tue.

Lassen Sie mich Ihnen zu Anfang bitte versichern, dass Herr Dr. de Maizière zu keiner Zeit einen direkten Zusammenhang zwischen dem Amoklauf in München und dem Spielen sog. Ego-Shooter-Spiele unterstellt oder gar ein pauschales Verbot solcher Spiele angeregt hat. Ganz im Gegenteil hat er bei mehreren Gelegenheiten – so in diversen Zeitungs- und TV-Interviews nach dieser schrecklichen Gewalttat – ausdrücklich betont, dass natürlich nicht jeder, der solche Spiele spielt, automatisch zum Gewalttäter wird. Allerdings gibt er zu bedenken, dass ein überhöhter und unsachgemäßer Konsum von gewaltverherrlichenden Spielen zumindest keine positive Wirkung auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hat.

Ein pauschales Verbot solcher Spiele ist nach Überzeugung von Herrn Dr. de Maizière jedoch nicht der richtige Weg und zudem auch nur schwer umzusetzen. Zwar sind einige gewaltverherrlichende Computerspiele schon heute verboten. Doch gerade angesichts der zunehmenden „Verrohung“, die er seit einiger Zeit in der Sprache und im gegenseitigen Umgang in unserer Gesellschaft beobachtet, ist ein Verbot einzelner Medien für ihn keine nachhaltige Lösung. Vielmehr stimmt Herr Dr. de Maizière völlig mit Ihnen überein, dass es einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung bedarf über die Frage, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit medialer Gewalt allgemein aussehen kann. Für ihn kommt es darauf an, besonders Kinder und Jugendliche nicht ungeschützt und unreflektiert Gewalterfahrungen auszusetzen, deren längerfristige Folgen nicht sicher abzuschätzen sind. Wie Sie hält er dabei z.B. Präventionsprojekte, die Medienkompetenz vermitteln, oder Informationsangebote für Eltern und Lehrer zur Mediennutzung und -begleitung insgesamt für erfolgversprechender.

Solche Angebote werden übrigens auch bereits in vielfältiger Form umgesetzt. Dazu gehört z.B. die Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ von ARD, ZDF, TV Spielfilm und BMFSFJ, die Informationsangebote der polizeilichen Kriminalprävention oder die Plattform „spielbar.de“ der Bundeszentrale für politische Bildung, die über Computerspiele informiert und pädagogische Beurteilungen erstellt. Darüber hinaus hat das zuständige Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in den vergangenen Jahren bereits einige Maßnahmen ergriffen, um den Jugendschutz zu verbessern. Dazu gehört beispielsweise die Verschärfung des Jugendschutzgesetzes und ein erschwerter Zugang zu gewaltverherrlichenden Medien für Minderjährige. Hier sollte nach Auffassung von Herrn Dr. de Maizière auch weiterhin der Schwerpunkt im Umgang mit gewaltverherrlichenden Medien liegen.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Informationen weiterhelfen und ggf. entstandene Unklarheiten aufklären konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Eric Ehrlich
(Mitarbeiter)
————————————————–
Eric Ehrlich, M. A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
————————————————–
Parlamentsbüro
DR. THOMAS DE MAIZIÈRE
Mitglied des Deutschen Bundestages
Bundesminister des Innern
—————————————————
Platz der Republik 1 – 11011 Berlin
Telefon: 030 / 22 77 36 -25
Telefax: 030 / 22 77 66 -26
thomas.demaiziere.ma01@bundestag.de
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Nun, was lässt sich dazu sagen? In erster Linie schon mal: Ich bin positiv überrascht, dass sich überhaupt jemand dazu meldet.

Gucken wir doch mal:

Lassen Sie mich Ihnen zu Anfang bitte versichern, dass Herr Dr. de Maizière zu keiner Zeit einen direkten Zusammenhang zwischen dem Amoklauf in München und dem Spielen sog. Ego-Shooter-Spiele unterstellt oder gar ein pauschales Verbot solcher Spiele angeregt hat.

Leider kommt das durch die Medien ganz anders rüber – auch wenn das immer eine subjektive Annahme ist. Das zeigt schon die entsprechende Berichterstattung seitens digitaler Medien, die von eben jener Aussage ausgeht, die hier verneint wird.

Ganz im Gegenteil hat er bei mehreren Gelegenheiten – so in diversen Zeitungs- und TV-Interviews nach dieser schrecklichen Gewalttat – ausdrücklich betont, dass natürlich nicht jeder, der solche Spiele spielt, automatisch zum Gewalttäter wird. Allerdings gibt er zu bedenken, dass ein überhöhter und unsachgemäßer Konsum von gewaltverherrlichenden Spielen zumindest keine positive Wirkung auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hat.

Ich denke, wir sind uns alle einig, dass der Konsum von gewaltverherrlichenden Inhalten (egal, ob Spiele oder Filme) in der Regel überhaupt nicht durch Kinder und Jugendliche stattfinden sollte. Nicht umsonst gibt es die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) für Computerspiele und die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) für Filme, die solchen Medien normalerweise keine Jugendfreigabe erteilt (USK 18/FSK 18).

Ein pauschales Verbot solcher Spiele ist nach Überzeugung von Herrn Dr. de Maizière jedoch nicht der richtige Weg und zudem auch nur schwer umzusetzen. Zwar sind einige gewaltverherrlichende Computerspiele schon heute verboten [Anm. von mir: Indizierung]. Doch gerade angesichts der zunehmenden „Verrohung“, die er seit einiger Zeit in der Sprache und im gegenseitigen Umgang in unserer Gesellschaft beobachtet, ist ein Verbot einzelner Medien für ihn keine nachhaltige Lösung.

Wir wissen ja alle aus unserer eigenen Kindheit, dass ein Verbot eine Sache nur noch reizvoller macht und uns unter Umständen zu illegalen Handlungen verleitet. So wie die Beschaffung indizierter Spiele beispielsweise, die gern aus dem Internet via Filesharing bezogen werden, wodurch eine Urheberrechtsverletzung zustande kommt (und der Verstoß gegen das Verbot des Erwerbs von indizierter Ware)

Vielmehr stimmt Herr Dr. de Maizière völlig mit Ihnen überein, dass es einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung bedarf über die Frage, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit medialer Gewalt allgemein aussehen kann. Für ihn kommt es darauf an, besonders Kinder und Jugendliche nicht ungeschützt und unreflektiert Gewalterfahrungen auszusetzen, deren längerfristige Folgen nicht sicher abzuschätzen sind. Wie Sie hält er dabei z.B. Präventionsprojekte, die Medienkompetenz vermitteln, oder Informationsangebote für Eltern und Lehrer zur Mediennutzung und -begleitung insgesamt für erfolgversprechender.

Das muss jetzt konsequenter denn je durchgezogen werden. Eine Weile sah es ja auch so aus, als hätten wir das hinter uns gebracht. Halt bis zum letzten Amoklauf. Leider liegt das Problem aber auch auf Seiten der Politik, wie wir ja nicht erst seit heute wissen. Viele Politiker sind zu alt und haben nicht die Lust sich mit dieser Thematik überhaupt auseinander zu setzen (oder schlichtweg kein Interesse daran).

Solche Angebote werden übrigens auch bereits in vielfältiger Form umgesetzt. Dazu gehört z.B. die Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ von ARD, ZDF, TV Spielfilm und BMFSFJ, die Informationsangebote der polizeilichen Kriminalprävention oder die Plattform „spielbar.de“ der Bundeszentrale für politische Bildung, die über Computerspiele informiert und pädagogische Beurteilungen erstellt. Darüber hinaus hat das zuständige Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in den vergangenen Jahren bereits einige Maßnahmen ergriffen, um den Jugendschutz zu verbessern. Dazu gehört beispielsweise die Verschärfung des Jugendschutzgesetzes und ein erschwerter Zugang zu gewaltverherrlichenden Medien für Minderjährige. Hier sollte nach Auffassung von Herrn Dr. de Maizière auch weiterhin der Schwerpunkt im Umgang mit gewaltverherrlichenden Medien liegen.

Mich würden hier primär mal Zahlen und Fakten interessieren. Inwiefern diese Angebote bereits Früchte tragen, wer sie in Anspruch nimmt, wie genau die Inhalte aussehen und wer sie vermittelt. Auch ist interessant zu wissen, wie ein verschärftes Jugendschutzgesetz verhindern soll, dass sich minderjährige Personen trotz allem unerlaubt Zugang zu jugendgefährdenden Inhalten verschaffen. Hier wären zum einen natürlich die Händler für die offiziellen Kanäle mit in die Pflicht zu nehmen, um den Jugendschutz rigoros durchzusetzen, aber eben auch die Eltern.

Aber was ist mit den illegalen Wegen? Wie sollen die blockiert oder der Zugang zu ihnen erschwert werden, ohne dabei zum Beispiel eine Zensur des Internets vorzunehmen? Es wird leider immer Mittel und Wege geben, an solche Inhalte heran zu kommen.

Mal davon ausgehend, dass das, was uns durch die Nachrichten vermittelt wurde, zusammenhangloser Müll ist, bei dem einzelne Sätze des Bundesministers aus dem Kontext gerissen wurden (kommt ja öfter mal vor im deutschen „Qualitätsjournalismus“). Und weiterhin davon ausgehend, dass die vom Mitarbeiter des Bundesministers verfasste Antwort tatsächlich die Meinung und Aussage von Herrn de Maizière repräsentiert und nicht nur so geschrieben wurde, um mich zufrieden zu stellen. Dann muss man doch gestehen, dass unserem Bundesinnenminister durch die negativen Meinungen über ihn zu dieser Debatte vielleicht doch Unrecht getan wird.

Ein offener Dialog, mit dem Bundesminister, diversen Vertretern der Spielebranche, Erziehungsberechtigten und uns Spielern wäre eine echt feine Sache, um die Angelegenheit sachlich zu klären und gemeinsam eine adäquate Lösung zu finden, die alle zufrieden stellt.

Unglücklicherweise wird es wohl auch dieses Mal nichts – diese Debatte wird irgendwann wieder abflauen und beim nächsten Amoklauf kommt man wieder darauf zu sprechen.

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