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YouTube und die Verantwortung – oder: „XYZ hat mich NACKT gestreamt!!!“

YouTube – das ist ein Medium, das die meisten Menschen kennen und lieben. Es bietet uns zahllose Videos mit erheiterndem Inhalt, wissenswertem Content, Musik (und den damit häufig verbundenen „Dieses Video ist in Deinem Land nicht verfügbar“-Screen) und auch vielen guten Kurzfilmen von Hobby- und Amateur-Regisseuren.

Ich nutze YouTube primär für Musik – nicht den Chart-Quatsch, der teilweise wegen der „Streitigkeiten“ mit der GEMA blockiert wird, sondern Videos, die von offizieller Seite kommen (von den Bands selbst oder deren Plattenlabels) oder auch Gemischtes wie die „2-Hours Epic Music Mixes“ von Epic Music World II sowie diverse Videos von fähigen Hobbymusikern (primär Gitarristen), die der Welt ihr Können zeigen möchten. Aber auch Gag Reels von Filmen, Kabarett mit Volker Pispers (absolut großartiger Kabarettist) und informative, aber spaßige Videos wie von Space Radio oder LeFloid laufen öfter mal über den Flimmerkasten. Seit neuestem schaue ich mir auch Let’s Plays an – primär die von Gronkh (gelegentlich auch die seiner Freundin Pandorya) – einem großartigen YouTuber, den ich nur allzu gern persönlich kennen lernen würde. Dabei war ich nie der Typ, der anderen gern beim Spielen zusieht. Aber bei Gronkh ist es irgendwie was anderes – wohl die Art, wie er die Let’s Plays gestaltet, bzw. wie er sich selbst in den Videos und auch in seinen Streams gibt (aber das ist ein anderes Thema).

Vergangenes Wochenende wurde der Webvideopreis Deutschland verliehen (wobei ich direkt erwähnen muss, dass ich ihn nicht gesehen habe). Auf Facebook erschien dann aber ein Videomitschnitt von der Verleihung in der Kategorie Gaming – Gewinner war der YouTuber HandOfBlood; mir persönlich unbekannt, aber das heißt rein gar nix. Während der Dankesrede hat HandOfBlood jedoch etwas angesprochen, das schon seit einer ganzen Weile scheinbar völlig normal zu sein scheint: Die Art (oder die Qualität) des Contents, der auf YouTube angeboten wird.

 

Was er in seiner Dankesrede gesagt hat – nun ja, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Er trifft den Nagel auf den Kopf und spricht als einer der wenigen genau das an, was sich seit geraumer Zeit wie eine Seuche auf YouTube auszubreiten scheint: asozialer, inhaltsloser Content, dessen einziger Zweck es ist, möglichst viele Impressionen und Likes zu erhalten. Und das Schlimme: genau diese Videos bekommen auch die gewünschte Aufmerksamkeit. Ich habe erst am Montag beim Stöbern auf YouTube gesehen, dass irgend so eine BibiBeautyIrgendwasGedöns (wohl eine von diesen Blondinen, die ihre „Beauty Tipps“ im Video festhält – oder zumindest so tut, als ob) ein Video mit dem Titel „XYZ hat mich NACKT gestreamt!!!!111einzdrölf“ (ganz frei aus dem Gedächtnis rezitiert) hochgeladen hat. In der Vorschaugrafik war bis auf eine unförmige Silhouette nichts zu erkennen und ich vermute, dass auch sonst nichts Gehaltvolles in dem Video vorkam (nein, ich habe es mir nicht angesehen. Auch nicht zu Recherchezwecken. Lieber laufe ich lachend in eine Kreissäge…). Es ist lediglich ein schönes Beispiel dafür, wie YouTuber versuchen, möglichst viele Klicks und Likes zu erhalten – und dass sie nicht davor zurück schrecken die Zuschauerschaft mit Sex, Rassismus, Mobbing und anderem Schwachsinn zu ködern.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, worüber ich mehr besorgt sein sollte: Darüber, dass diverse YouTuber schamlos ihre Möglichkeiten ausnutzen, um möglichst viele Klicks und Likes – und damit Geld – zu erhalten oder dass es genug Deppen gibt, die sich den Scheiß auch noch ansehen. Wenn ich mich aber so im Alltag umsehe und insbesondere die derzeitige Generation unter die Lupe nehme, dann erübrigt sich die Frage schon – Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

YouTuber, die Videos dieses Formats veröffentlichen, fördern die Degeneration der Jugend, die dadurch nur noch weiter abstumpft; in dem festen Glauben, Mobbing, Rassismus, Sexismus etc. pp. seien völlig legitim – immerhin nutzen ja auch ihre Lieblings-YouTuber diese Mittel in ihren Videos, warum sollte es also falsch sein!? Jene YouTuber vergessen (oder ignorieren), welche Verantwortung sie tatsächlich auf ihren Schultern tragen. Denn YouTube ist das Fernsehprogramm der aktuellen Generation (und wenn ich mir ansehe, was so auf RTL & Co. läuft, ist das nur verständlich). Sie müssen lernen, diese Verantwortung zu akzeptieren und ihr auch gerecht zu werden.

Doch leider zeichnet sich ein Trend ab, der dem allseits unbeliebten Clickbaiting in sozialen Netzwerken ähnelt, das inzwischen sogar von vermeintlich renommierten Nachrichtenportalen angewendet wird. Natürlich geht man mit der Zeit, nutzt die Möglichkeiten, die den maximalen Erfolg garantieren – aber doch bitte nicht auf Kosten des Inhalts. Manchmal muss man seine Zuschauer/Leser an die Hand nehmen, ihnen sagen „Ey, hör mal. Das ist aber echt nicht korrekt“ – denn die Jugend von heute adaptiert, was vermeintlich „cool“ zu sein scheint. Und mal ganz unter uns: Weder Mobbing, noch Rassismus, Sexismus oder dergleichen ist „cool“, sondern einfach nur scheiße.

Ja, ich weiß: Viele YouTuber machen das „for a living„, müssen davon ihre Miete bezahlen und ihren Lebensunterhalt bestreiten. Das ist eine Entscheidung, die sie selbst getroffen haben – ein Weg, den sie selbst gewählt haben. Niemand hat sie dazu gezwungen. Dabei sollte ihnen aber immer bewusst sein, dass sie mit dieser getroffenen Wahl auch automatisch eine Verantwortung übernommen haben. Doch die wenigsten werden dieser Verantwortung wirklich gerecht…

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