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Der Weg zum Nichtraucher

Ich kann mich noch ganz genau an meine erste Zigarette erinnern. Es war Silvester 2000 (also der Jahreswechsel zu 2001) oder anders ausgedrückt vor über 14 Jahren. Ich war mit Freunden unterwegs, habe Böller durch die Gegend geworfen und Raketen dazu gebracht auf der Straße liegend in eine Seitenstraße abzubiegen (das sah echt witzig aus). Die Freunde rauchten bereits und ich konnte es mir im Suff nicht verkneifen nach einer Kippe zu fragen. Aus irgendeinem Grund hatte ich Gefallen am Rauchen gefunden – obwohl ich mir immer geschworen hatte, nie mit dem Rauchen anzufangen. Aber so war das damals halt als Jugendlicher. Man wollte dazu gehören…

Ich fing danach recht schnell an regelmäßig zu rauchen. Mein Vater war davon zwar nicht sonderlich begeistert, ich war zu dem Zeitpunkt aber bereits 16 und er überließ diese Entscheidung mir. Seine einzigen Worte waren „Musst du selbst wissen. Eins steht fest – ich werde dich nicht im Krankenhaus besuchen, wenn du da mal landen wirst“. Ja, so war das damals.

Ich habe zwar hin und wieder darüber nachgedacht aufzuhören, aber es gab irgendwie nie einen wirklich triftigen Grund. Gefahr einer Erkrankung an Lungenkrebs? Na und? Mein Urgroßvater ist an Lungenkrebs gestorben – aber der wurde über 80 und ich hatte nicht unbedingt vor viel älter zu werden. Eingeschränkte körperliche Leistung? Na und? Ich habe einen Bürojob, bei dem ich den ganzen Tag sitze und wirklich sportlich war ich noch nie – zum Laufen bin ich ohnehin viel zu faul.

Tatsächlich habe ich sogar drei mal versucht aufzuhören – meine längste rauchfreie Zeit betrug etwa 2 Wochen, wenn ich mich recht erinnere (+/- ein paar Tage). Danach hab ich wieder angefangen – es gab für mich irgendwie keinen Grund aufzuhören. Und genau da lag das Problem, denn der Kopf wollte einfach nicht. Ich dachte wirklich, dass ich vom Nikotin abhängig sei. Bei jeder Gelegenheit griff ich zur Zigarette – ob nun jede Stunde auf der Arbeit oder sogar jede halbe Stunde beim Zocken am Rechner. Manchmal einfach, um meine Nerven zu beruhigen, damit ich nicht in die Luft gehe. Häufig aber einfach aus purer Langeweile (vor allem zuhause).

Inzwischen bin ich bei Versuch Nr. 4 mir das Rauchen abzugewöhnen. Und ich bin mir relativ sicher, dass ich es auch schaffe. Denn unlängst habe ich festgestellt, dass es bei mir keine körperliche Abhängigkeit vom Nikotin gibt – ich vermisse die Zigaretten nicht, auch wenn es die ein oder andere Situation gab, in der ich ans Rauchen gedacht habe. Tatsächlich war es bei mir aber scheinbar einfach nur Langeweile-Rauchen – ich musste mich irgendwie beschäftigen (deswegen habe ich auch insbesondere beim Zocken oder Fernsehen viel gequalmt, während ich auf der Arbeit im Schnitt vielleicht 9-10 Zigaretten geraucht habe).

Warum ich mir diesmal so sicher bin zum Nichtraucher zu werden? Nun, ich bin inzwischen etwas älter und vielleicht auch etwas „weiser“. Ich sehe die Risiken, die vom Rauchen ausgehen, nicht mehr so locker wie damals. Mir schmeckt das Rauchen einfach nicht mehr – die letzten Zigaretten lösten bei mir einen komischen Geschmack im Mund aus. Es kratzte im Hals und reizte meinen Gaumen. Und es stinkt. Meine Klamotten stinken, die Wohnung stinkt. Letzteres wurde mir vor allem dadurch bewusst, dass mir jemand, der mir mal sehr nahe stand, genau das sagte und deswegen auch nicht mehr so gern zu mir kam. Und ich glaube, meine Katzen danken es mir inzwischen auch, da sie den blauen Qualm so gar nicht mochten (und er für sie genau so schädlich ist wie für mich).

Und finanziell merke ich es natürlich auch, seit ich eine Haushalts-App auf meinem Smartphone habe, mit der ich alle Einnahmen und Ausgaben festhalte. Es ist ein großer Unterschied, ob man immer nur die 6€ sieht, die man gerade für eine Schachtel ausgibt oder am Ende des Monats in der App lesen kann, wie viel man tatsächlich für Zigaretten ausgegeben hat. Und wenn die Ausgaben für Zigaretten höher sind als für Lebensmittel, sollte man sich ernsthaft Gedanken machen.

Meine offiziell letzte Zigarette habe ich am 24. April geraucht. Inzwischen bin ich beim 8. Nichtraucher-Tag angelangt und muss sagen: Es geht mir gut. Und es fällt mir derzeit auch noch relativ leicht, nicht zu rauchen. Natürlich hat der Verzicht auf das Nikotin auch seine Nachteile: Ich esse sehr viel mehr als vorher (wobei das bei meinem aktuellen Gewicht eher ein Vorteil sein dürfte). Dummerweise bin ich aber auch leichter reizbar und inzwischen noch ungeduldiger als sonst. Ich hoffe aber, dass ich das bald in den Griff bekomme.

Ich habe mich im Vorfeld natürlich informiert, was ich tun kann, um mir das Abgewöhnen zu erleichtern. Dazu gehört zum Beispiel, möglichst vielen Leuten von seinem Vorhaben zu erzählen, um Rückhalt zu bekommen und – für den Fall der Versuchung des „Ey, hast du vielleicht ne Kippe für mich“ – die Zigarette zu verweigern. Man soll auch möglichst „Traditionen“ vermeiden, wie zum Beispiel die allmorgentliche Kippe zum allmorgentlichen Kaffee oder sowas. Ich habe mir auch zwei Apps auf meinem Smartphone installiert, um meinen Fortschritt vor Augen zu haben. Beide Apps zeigen mir Statistiken und Erfolge, die ich nach x Tagen freigeschaltet habe.

Mein erklärtes Ziel ist es, tatsächlich dauerhaft rauchfrei zu bleiben. Für bessere Gesundheit und mehr Geld in der Tasche. Hoffentlich.

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