Wenn Microsoft von Standardkonformität spricht…

Official HTML5 Logo
Image by Gary Burge via Flickr

… heißt das nicht zwangsläufig, dass sie sich an diese Standards halten.

Wie die meisten von euch sicherlich mitbekommen haben, wurde HTML5 vor einigen Wochen offiziell auf die Netzwelt los gelassen. Einher geht das Ganze mit dem neuen CSS3, das viele neue Möglichkeiten bei der Gestaltung von Webseiten mit sich bringt. Einige Webauftritte verwenden bereits HTML5 und es werden zukünftig noch viele weitere folgen.

Die Einführung von HTML5 zwingt die Browser-Entwickler natürlich dazu ihre Programme weiter zu entwickeln und ihnen beizubringen mit den allgemein gültigen HTML5-Standards korrekt umzugehen. Wer da hinterher hinkt, riskiert Einbußen auf dem hart umkämpften Browsermarkt – was nun dazu führt, dass die führenden Anbieter eifrig an ihrem Schützling feilen. Dank Kollege Carsten bin ich auf eine kleine Seite aufmerksam geworden, die verschiedene Browser auf ihre HTML5-Tauglichkeit hin prüft und diese mit Punkten bewertet. Ich habe mir daher mal den Spaß erlaubt und die gängigsten Browser, die bei uns auf der Arbeit zum Einsatz kommen, getestet und dabei festgestellt, dass Microsoft mal wieder nur heiße Luft von sich gibt.

Die hatten nämlich von sich behauptet, der Internet Explorer 9 würde entsprechend der Vorgaben des W3C endlich standardkonform sein. Das mag vielleicht für die veralteten Standards gelten, aber auch für die neuen Standards für HTML5 und CSS3? Beim Test beziehe ich mich auf die drei Browser mit dem höchsten Marktanteil im deutschsprachigen Raum: Mozilla Firefox, Internet Explorer und Google Chrome.

Wie sieht es denn nun punktetechnisch aus? Welcher Browser beherrscht HTML5 momentan am besten? Der Feuerfuchs von Mozilla? Googles schnellster Browser? Oder vielleicht doch die neue Version von Microsofts Internet Explorer? Bevor ich die drei Browser testete, habe ich eine Vermutung aufgestellt, nach der Google Chrome zusammen mit dem Firefox weit vorne liegen würde. Sehr weit abgeschlagen habe ich den Release Candidate vom IE9 geglaubt.

Nach dem Test war ich dann schlauer: Die aktuelle Version von Chrome (Version 9.0.597.98) führt die Dreierkette mit 285 Punkten (plus 13 Bonuspunkten) an. Weiter davon entfernt als gedacht erreicht der Firefox (Version 3.6.13) 156 Punkte (plus 4 Bonuspunkte). Microsofts neuer „Internet-Erforscher“ kommt beim Test auf 130 Punkte (plus 5 Bonuspunkte). Damit landet der neue Browser der Redmonder auf dem letzten Platz. Auch global gesehen schneidet Microsoft am schlechtesten ab:

Die Vorgänger-Versionen des IE erreichten hier sogar nur 17 Punkte (IE6/IE7) und 32 Punkte (IE8). Immerhin liegen zwischen dem 8er und dem 9er Internet Explorer respektable 103 Punkte (wenn man die Punktzahl + Bonuspunkte zählt). Trotzdem gehört der Internet Explorer noch zu den Browsern, die HTML5 am schlechtesten unterstützen:

Gängige Desktop Browser

Microsoft Internet Explorer (Version 6.0) -> 17 Punkte (0 Bonuspunkte)
Microsoft Internet Explorer (Version 7.0) -> 17 Punkte (0 Bonuspunkte)
Microsoft Internet Explorer (Version 8.0) -> 32 Punkte (0 Bonuspunkte)
Mozilla Firefox (Version 3.6.8) -> 156 Punkte (4 Bonuspunkte)
Apple Safari (Version 5.0.3) -> 231 Punkte (7 Bonuspunkte)
Opera (Version 11.0) -> 234 Punkte (7 Bonuspunkte)
Google Chrome (Version 8) -> 261 Punkte (13 Bonuspunkte)
Google Chrome (Version 9) -> 283 Punkte (13 Bonuspunkte)

 

Entwicklungs-/Beta-Versionen

Microsoft Internet Explorer (Version 9 Beta) -> 104 Punkte (5 Bonuspunkte)
Microsoft Internet Explorer (Version 9 PP 7) -> 115 Punkte (5 Bonuspunkte)
Microsoft Internet Explorer (Version 9 RC) -> 130 Punkte (5 Bonuspunkte)
Mozilla Firefox (Version 4.0 beta 11) -> 255 Punkte (9 Bonuspunkte)
Webkit Nightly (Version 78038) -> 273 Punkte (9 Bonuspunkte)
Google Chromium (Version 11.0.667.0) -> 293 Punkte (9 Bonuspunkte)

 

Apple iPad, iPhone und iPod

Apple iPad (iOS 3.2) -> 135 Punkte (7 Bonuspunkte)
Apple iPhone und iPod (iOS 4.0) -> 198 Punkte (7 Bonuspunkte)
Apple iPhone und iPod (iOS 4.1) -> 198 Punkte (7 Bonuspunkte)
Apple iPhone und iPod (iOs 4.2) -> 209 Punkte (7 Bonuspunkte)
Apple iPhone, iPod und iPad (iOS 4.3) -> 209 Punkte (7 Bonuspunkte)

Nach dieser Statistik schneidet Microsofts Internet Explorer (oh, wie unerwartet!) am schlechtesten ab. Lediglich die Vorgänger des IE9 sind noch schlechter. Natürlich hat Microsoft noch immer Spielraum, um ihrem neusten Sprössling doch noch HTML5 korrekt beizubringen. Doch wenn es dabei bleiben sollte, war es mal wieder nur viel Wind um nichts. Andererseits traue ich Microsoft seit Windows 7 wieder mehr zu als noch zu Zeiten von Windows Vista. Man darf gespannt sein.

(Sicherlich kann man den Test nicht als allgemein gültiges Mittel verwenden, um mit ziemlicher Genauigkeit zu sagen, ob ein Browser standardkonform ist. Doch man erhält dadurch schon mal einen wunderbaren Einblick in die Tauglichkeit der aktuellen Browser.)

 

2 thoughts on “Wenn Microsoft von Standardkonformität spricht…”

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