„Dieses Spiel ist widerwärtig“

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Image via Wikipedia

Am 14. Oktober 2010 soll der jüngste Spross der „Medal of Honor„-Reihe von Publisher Electronic Arts erscheinen, in dem der Spieler als Soldat in heutigen Afghanistan unterwegs sein wird. Leute, die aufmerksam die Nachrichten verfolgen, wissen ja bereits, dass dort seit Jahren ein kriegsähnlicher Zustand herrscht und die NATO gegen die Taliban kämpft. Nun scheint das Spiel, das für den PC und die gängigen Konsolen entwickelt wird, auf Missmut bei Politik und Militär zu stoßen. So bittet der britische Verteidigungsminister Liam Fox die Händler darum das Spiel in England nicht anzubieten. Auch ein Sprecher des Deutschen Bundeswehrverbandes übte inzwischen scharfe Kritik insbesondere am Multiplayer-Modus des Spiels. Dort sei es nämlich möglich als Taliban gegen die Soldaten der NATO zu kämpfen.

„Medal of Honor ist widerwärtig“, sei der ungefähre Wortlaut von Wilfried Stolze, dem Sprecher des Deutschen Bundeswehrverbandes, gegenüber dem FOCUS gewesen. Er könne nicht verstehen, wie Electronic Arts ein solches Spiel auf den Markt bringen kann, während in Afghanistan Männer im Kampf gegen den Terror sterben.

Der amerikanische Publisher wiegelt jedoch ab. Es gäbe in Kriegen nun mal zwei Seiten und da man besonderen Wert auf Realismus in Spielen legt, müsse der Spieler auch die Wahl haben für die NATO oder die Taliban zu kämpfen.

Medal of Honor is set in today’s war, putting players in the boots of today’s soldier. We give gamers the opportunity to play both sides. Most of us have been doing this since we were seven. If someone’s the cop, someone’s got to be the robber, someone’s got to be the pirate, somebody’s got to be the alien. In Medal Of Honor multiplayer, someone has to be the Taliban.

Ich bin diesbezüglich wie immer ganz ehrlich: Krieg, meine Damen und Herren, ist widerwärtig. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob ich ein Pixelmännchen virtuell über den Haufen baller oder mit einer geladenen Waffe einen Menschen erschieße (egal, ob Zivilist, feindlicher Soldat oder Terrorist). Es sind Menschen! Ich kann durchaus nachvollziehen, dass so etwas auf Widerstand stößt, frage mich aber ernsthaft, wo diese Proteste waren, als bspw. das Spiel „Return to Castle Wolfenstein: Enemy Territory“ veröffentlicht wurde. Dort kann der Spieler auch auf Seiten der Nazis alliierte Soldaten erschießen. Das Gleiche in der „Call of Duty„-Reihe und anderen Ego-Shootern (ebenso in den früheren Teilen der „Medal of Honor“-Reihe).

Stellen wir uns doch einmal vor, der Krieg in Afghanistan wäre längst vorbei. Dann würde kein Hahn mehr danach krähen. Oder? Sehr geehrter Mr. Fox, sehr geehrter Herr Stolze: Wenn Sie schon protestieren wollen, dann auch richtig. Mit zweierlei Maß zu urteilen, lässt niemanden glaubwürdig und ernsthaft erscheinen. So oder so wird „EA“ das Spiel im Oktober veröffentlichen und früher oder später wird „Medal of Honor“ auch in britischen Läden zum Kauf angeboten. Denn bisher hat es selten einen Publisher interessiert, was Politiker oder Militär zu kritisieren hatten.

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