Wenn man keine Ahnung hat…

Als ich gerade die offizielle Mitteilung der Electronic Sports League bezüglich der abgesagten „intel Friday Night Games“ in Stuttgart gelesen habe, bin ich in den Kommentaren auf einen Link gestoßen, der zu einer von der GameStar zusammengestellten Seite mit Zitaten von Politikern und sogenannten „Experten“ bezüglich der heiß diskutierten „Killerspiele“ führt. Ich zitiere ich mal einige Auszüge:

„Dass der 17-Jährige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie Counter-Strike oder Crysis lernen können.“

Hans Dieter Schwind, Präsident der Deutschen Stiftung für Verbrechensbekämpfung

Genau, und jemand, der Amok läuft, ohne jemals ein Computerspiel angerührt zu haben, wird brav stehen bleiben und um sich schießen oder die Waffe auf der Flucht fallen lassen. Jugendliche sind ja auch hirnlose Zombies, die nur das machen können, was sie vorher irgendwo in ’nem Computerspiel gesehen haben… du Dünnbrettbohrer!

„Sie animieren Jugendliche, andere Menschen zu töten. (…) Das sind völlig unverantwortliche und indiskutable Machwerke, die in unserer Gesellschaft keinen Platz haben dürfen.“

Günther Steinbeck, 2006

Also ehrlich… ich finde, Waffen animieren weitaus mehr dazu, andere Menschen zu töten, Herr Steinbeck…

„Eines seiner (Anm. Robert Steinhäuser) Lieblingsspiel war ‚Counterstrike‘, ein Killerspiel, bei dem zwei feindliche Terroristeneinheiten sich bekriegen. Maskierte jagen da andere Maskierte durch Wüstenlandschaften und dunkelgraue Betonwelten, nehmen Dunkelmänner ins Fadenkreuz ihrer virtuellen Maschinenpistolen und feuern weiße Blitze – bis der gesamte Bildschirm rot zuckt: Das Opfer verblutet, das Ziel ist erreicht, der Spieler gewinnt.“

Zitat aus Spiegel, Ausgabe 18/02, Seite 83

Sehr professioneller Kommentar: Erstens bekämpfen sich in „Counterstrike“ nicht zwei feindliche Terroristeneinheiten, sondern Anti-Terroristen (Sondereinsatzkommandos) versuchen Terroristen davon abzuhalten ’ne Bombe zu legen. Zweitens feuert man da keine weißen Blitze und drittens zuckt der Bildschirm nicht rot. Wer immer diesen Kommentar verfasste, hat absolut keine Ahnung, worüber er da überhaupt geschrieben hat.

„Großmütter mit Kinderwagen und Schulmädchen bringen Extrapunkte im PC-Spiel Counterstrike.“

Hamburger Allgemeine, 7/02, Seite 60

Hm, seltsam. Ich bin in „Counterstrike“ noch nie Großmüttern und Schulmädchen begegnet. Aber ich gebe mal Laut, wenn ich sie finden sollte…

„Hat der Amokschütze von Erfurt seine Tat im Internet trainiert? Das Lieblingsprogramm von Robert Steinhäuser war das Computerspiel „Counterstrike“: Hier werden Geiseln genommen und Schulmädchen erschossen.

Das Mädchen trägt einen karierten Rock und eine weiße Bluse. Sie ist überrascht, als sich die Türe öffnet. Das letzte, was die Schülerin in ihrem Leben wahrnimmt, ist das Mündungsfeuer der Automatikwaffe, die der Eindringling auf sie richtet. Ihre Bluse färbt sich rot – Ziel eliminiert. Der Mord findet Online statt. Tatort ist ein Computerspiel. „Counterstrike“, heißt das Programm, in dem ein Entführungsszenario nachgestellt wird. Ein Trainingsgelände für Massenmörder.“

Rheinische Post, 29.04.2002

Schon wieder Schulmädchen? Verdammt, wo findet man die? Ich will die sehen!!!

Auf der Seite finden sich noch einige andere Kommentare (den Großteil habe ich hier bereits zitiert). Ich weiß nicht, ob ich mich über diese Sprüche totlachen oder einfach nur verständnislos den Kopf schütteln soll. Diese Zitatsammlung zeigt einmal mehr, dass die Leute, die am lautesten nach einem Verbot von Killerspielen rufen, weniger als Null Ahnung von der Materie haben (und von dieser Ahnung dann aber eine ganze Menge)…

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